aUSGABE 4/2018 Ein Blick in die Zukunft: … über den möglichen Stand der Konzepte Diversität, Inklusion, Aus- und Abgrenzung und deren Repräsentanz in den Köpfen der Menschen in ca. 20 Jahren….

Diese Texte sind von Studierenden der ehs Dresden im 6. Semester entworfen und entstanden im Rahmen eines Seminars von Prof. Uwe Hirschfeld zu den Handlungsfeldern: Assistenz bei psychischer Krankheit und Behinderung, Erziehung, Familie und soziale Beratung sowie Aufsuchende und Offene Arbeit.

Utopie Nr I
Er erwachte vom Tosen des Windes und Donnern des Gewitters. Plötzlich wurden die Fenster aufgerissen und ein Ausläufer des Unwetters strömte in sein Schlafzimmer und ergriff ihn. Der Sturm riss ihn aus dem Bett und mit sich, aus dem Fenster hinaus und in die Weite. Er verschwand inmitten der Wolken. Toni wurde ohnmächtig. Als er erwachte, fand er sich in einer ihm fremden Umgebung wieder.

Er lag auf dem Rücken, Blick in Richtung der Wölkchen, geformt wie kleine Schafe. Um ihn herum grüne Wiesen. Durch sie führte ein schmaler Weg. In der Ferne erblickte er nach oben strebende Gebilde. Toni konnte sie nicht einordnen und während er so überlegte, was er da so sah, strömte ihm ein köstlicher Geruch nach Knoblauch in die Nase. Was war das? Pizza? Ja! Es roch nach Pizza! Plötzlich fiel ihm auf, wie leer sein Magen war. Es musste Stunden her sein, dass er das letzte Mal gegessen hatte. Also beschloss er, dem Duft zu folgen. Er lief recht lang den Weg entlang und gelangte zu dem Gebilde. Jetzt erkannte er, was er da vor sich hatte: Es war eine Art Bahnstation, aber auf Stahlstreben in die Höhe gebaut. Wo war er denn hier gelandet? So etwas kannte er nur aus Romanen und Comics. Doch der Hunger in ihm war stärker als die Verwunderung, so ging er zunächst zum Pizzastand an der Station. Der Pizzabäcker wirkte eigenartig gut gelaunt. Toni wollte gerade überlegen, welches Stück er haben wolle, als ihm auffiel, dass er seine Geldbörse nicht dabei hatte. Und überhaupt standen auch gar keine Preise an den verschiedenen Stücken in der Auslage. Er traute sich nicht recht, zu fragen, ob er dennoch eines bekommen könnte und beschloss, erst einmal hungrig weiterzugehen. Er hätte sonst sowieso wieder Mundgeruch bekommen. Er ging auf die Station hinauf und überlegte gerade, wen er ansprechen und nach Geld fragen könnte, als er ein – was war es eigentlich? Ein Mädchen? – entdeckte. Sie… es… saß auf einer Bank und las ein Buch. Es hatte feminine Gesichtszüge, doch die Kleidung war so gar nicht, wie er es von den Mädchen aus seiner Schule kannte. Das Gesicht ganz ungeschminkt und kurze, verstrubbelte Haare. Naja, er konnte jetzt nicht wählerisch sein, also beschloss er, das Wesen anzusprechen. Er erfuhr schnell, dass es wirklich ein Mädchen war. Isabell war ihr Name. Sie war sehr freundlich, jedoch verwundert, als er sie nach Geld fragte. Fast so, als ob sie überhaupt nicht verstünde, was er von ihr wollte. Isabell meinte, er brauche kein Geld, um mit der Bahn zu fahren. Das ginge einfach so. Es würde natürlich nichts von einem verlangt als Gegenleistung. Sie erklärte sich bereit, mit ihm ein wenig die Gegend zu erkunden, da sie auch nicht viel zu tun hatte. Also bestiegen sie gemeinsam die nächste Bahn. „Was liest du da eigentlich?“, fragte Toni. „Ein Sex-Magazin.“, antwortete sie, als sei das völlig natürlich, dass Mädchen so etwas lesen würden. In aller Öffentlichkeit! Doch niemand in der Bahn schien sich zu wundern, dabei hatte Isabell nicht gerade leise gesprochen. Auch von Scham schien jede Spur zu fehlen. Toni sah sich in der Bahn weiter um. Hier liefen schon recht seltsam aussehende Menschen herum. Beispielsweise erblickte er eine Frau, zumindest ordnete er sie zunächst so ein, mit einer Glatze. Das hielt er schon für recht ungewöhnlich. Er beschloss, lieber aus dem Fenster zu blicken. Die Magnetschwebebahn rauschte an der Landschaft vorbei. Es war viel Grün zu sehen. Ab und an schimmerte etwas Beton durch die Pflanzendecke. Was war das? Irgendwann erkannte er mit zugekniffenen Augen ein paar alte, verfallene Schornsteine. Aus ihnen schien schon lange kein Rauch mehr aufgestiegen zu sein. Plötzlich fiel ihm auf, dass er noch gar keine Autos auf der Strecke gesehen hatte und beschloss, Isabell danach zu fragen. Sie antwortete: „Autos? Natürlich gibt es Autos. Das sind natürlich mittlerweile viel weniger als noch vor 30 Jahren zum Beispiel. Und auch nicht so furchtbare Dreckschleudern. Wir fahren doch alle, wenn überhaupt, mit Elektroautos, die fair produziert werden. Dafür wurden viele alte Autos als Teilelager benutzt. Die restlichen dienen jetzt als Sitze in unseren Kult-Outdoor-Kinos.“ „Also haben doch alle Autos?“ „Nein, natürlich nicht. Aber, wenn wir ein Auto brauchen, nehmen wir eines.“ „Wie soll das gehen?“, fragte er verwundert. „Nun, wir haben ein Teil-System. Wenn wer ein Auto braucht, kann hem es nutzen.“ ‚Hem‘. Was für ein seltsames Wort. Was sollte das bedeuten? Irgendwo hatte er das auch schon einmal gehört… Ah ja, das war ein Bericht über einen skandinavischen Kindergarten. War wohl ein Pronomen für alle Geschlechter. Überhaupt hatte er schon viele solche Wörter an Tafeln gesehen, an denen sie vorbeigefahren waren. Doch er beschloss, später genauer danach zu fragen. Noch war die Frage bezüglich der Autos zu klären. „Wie, man kann sich einfach eins nehmen?“ „Nun ja, es gibt Stationen, an denen die Teilautos abgestellt werden. Wenn eines gebraucht wird, wird es abgeholt und später zurück gebracht. Oder zu einer anderen Station. Aber eigentlich gibt es immer welche an allen Stationen, weil wir ja nur selten Autos brauchen. Unser Bahnnetz ist so klasse… Sag mal… Wo kommst du denn eigentlich her, dass du das alles nicht kennst?“ Die Frage ließ in ihm leichten Ärger hochkommen. Sie redete ja fast mit ihm, als sei er ein Hinterwäldler. Doch in der Schule hatte er gelernt, dass solche Sachen in einem Dialog geklärt werden sollten. Schließlich fragte er sich ja auch, was hier los war. Gerade, als er überlegte, was er antworten sollte, stiegen sie aus. „Das ist meine Schule.“, erklärte sie ihm, während sie auf ein helles, freundliches Gebäude zeigte. Sie gingen hinein und sie zeigte ihm ihren Lieblingsraum. „Das ist unser Musikraum. Hier gibt es alle möglichen Instrumente.“ „Aha… du magst also Musikunterricht? Mich nervt das ja immer, alte Lieder singen zu müssen“, meinte er. „Wie meinst du das? Wir können doch alle frei wählen, ob wir singen oder nicht. Oder was wir in „Freier Entfaltung“ so machen.“ „‚Freie Entfaltung‘? Was soll das sein?“ „‚F. E.‘ Ist natürlich eines unserer Fächer. Da können wir uns aussuchen, was wir belegen möchten. Wir können uns ganz kreativ austoben. Wir können sogar zwischen den Angeboten, die meist aus Kunst, Kultur oder Sport kommen, immer wechseln.“ „Wow, das klingt ja wahnsinnig cool. Ihr könnt euch also alles aussuchen?“ „Natürlich nicht alles. Es gibt schon Fächer, die wir alle machen müssen. So etwas wie ‚Politische Bildung und Partizipation‘ oder ‚Umgang mit der Umwelt‘ sind natürlich Pflicht.“ Das klang alles sehr spannend. Er hätte fast selbst noch einmal Lust bekommen, in so eine Schule zu gehen, dabei war doch erst vor kurzem mit der zehnten Klasse fertig geworden und hatte sich danach geschworen, nie wieder einen Fuß in so ein Gebäude zu setzen. Diese Welt war schon faszinierend. Sie schien so viel zu bergen, was so viel besser war als bei ihm zu Hause. Die Menschen schienen sich wohlzufühlen – sowohl von ihrem Inneren her, als auch mit ihrem Äußeren. Er hatte richtig Lust bekommen, diese Welt weiter zu erkunden, als er mit einem Mal erwachte. Schon wieder. Er hatte wohl nur geträumt. So eine Welt war wohl auch zu schön, um wahr zu sein… Obwohl? Eigentlich kam nichts darin vor, was nicht mit gegebenen Mitteln jetzt schon möglich war. Also fasste Toni einen Entschluss: Er wollte so vielen Menschen wie möglich von seinem Traum erzählen und ganz viele davon überzeugen, dass alle zusammen etwas ändern und diese Welt schon möglich machen können.

Utopie Nr. II
Ein Blick aus dem Fenster verrät ihr, dass sie Wollpullover und Schal einpacken sollte. Die Fensterscheibe, durch die sanftes Licht in den Raum fällt, ist mit stromproduzierenden Solarzellen bestückt. Der Duft von Kaffee liegt in der Luft, sie umklammert ihre warme Tasse, den Blick ins Leere schweifend. Im Hintergrund tönt ein Fernseher, das heißt, eine drei Millimeter dünne, auf die Wand aufgeklebte flimmernde Folie, die mit verschiedenen Boxen in der Wohnung verbunden ist. Im Morgenmagazin der Stadt Dresden berichtet eine Wissenschaftlergruppe von neuen Projektideen wie dem weiteren Ausbau von erneuerbaren Energien und den Chancen des Cradle-to-Cradle-Prinzips. Nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender mussten sich dazu verpflichten, ihren Anteil an positiven und allgemeinbildenden Nachrichtensendungen deutlich zu erhöhen.

„Heute ist ein schöner Tag“, denkt sich Susanne und beginnt sich für ihren Termin beim Zahnarzt fertig zu machen. Aufgrund eines Knochenbruchs ihrer linken Hand, den sie beim Radfahren erlitt, kann sie ihrer Arbeit im Altenheim gerade nicht nachgehen. Die Zwangspause nutzt sie, um die sonnigen Herbsttage in ihrer kleinen Parzelle in der städtischen Kooperative mit ihren Freundinnen und Freunden zu verbringen und diese für den Winter vorzubereiten, auch wenn sie mit nur einer Hand mehr Zeit als sonst dafür benötigt. Doch sie werden gebraucht und die Stadt subventioniert die Kooperative seit drei Jahren. Die landwirtschaftlichen Großflächen im Dresdner Umland haben durch Dürren, Überdüngung und zu intensive Bewirtschaftung in der Vergangenheit so gelitten, dass es nötig wurde, kleine, urbane Kooperativen inmitten der Stadtviertel zu gründen. Diese gewährleisten den Bürgern den Zugang zu frischem Obst und Gemüse. Überall, wo es möglich ist, stellt die Stadt Dresden den Menschen bedingungslos Frei- und Brachflächen zur allgemeinen Bewirtschaftung zur Verfügung. Sie kreierte dafür zudem ein eigenes „Regio-Label“, das landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem Umland in den Supermärkten kennzeichnet und durch Subventionierung erschwinglich für alle macht.

Susannes Stimmung wird etwas melancholisch, als sie ihren Blick aus dem Fenster über den Horizont schweifen lässt und an den Raubbau denkt, den die Menschen mit der Natur betrieben, damit ein paar Wenige von ihnen möglichst viel verdienten. „Warum musste es erst zusammenbrechen, damit sich in den Köpfen der Politiker und Wirtschaftseliten etwas ändert?“, denkt sie sich, ihre leere Tasse auf den Tisch stellend. „Sei es drum. Wir haben einen Weg gefunden. Ich packe noch ein paar frische Äpfel für Hakim ein und dann fahre ich los.“ Susanne ist seit fünf Jahren Patientin bei ihm.

Hakim, ein 33-jähriger Zahnarzt auf der Dresdner Südhöhe, schlendert zur selben Zeit pfeifend durch das Gebäude, in dem sich seine Praxis befindet. An einem blinkenden Display drückt er ein paar Knöpfe, um zu überprüfen, ob sich die Heizungsanlage der Praxis den heutigen Außentemperaturen entsprechend selbstständig anpasst. Über einen Regler steuert er die Solarenergieanlage auf dem Dach an und erkundigt sich nach dem Hitzestand im Schilf-Ofen, der für die Heizung verantwortlich ist. Er hätte es anfangs nicht für möglich gehalten, doch seit über drei Jahren gewinnt er die Wärmenergie für die kalte Jahreszeit durch das Verbrennen von Schilf aus dem dafür angelegten Garten im Hinterhof. Der Garten ist mit der Schule von nebenan verbunden. Das gefilterte Abwasser beider Gebäude wird dafür in einen angelegten Teich geleitet, wo das Schilf neben weiteren Nutzpflanzen im Garten wächst, wodurch zugleich Obst und Gemüse für die Schulkantine zur Verfügung gestellt werden. Um das Anbauen, Pflegen, Verarbeiten und Verbrennen kümmert sich der Hausmeister zusammen mit einer Lehrkraft für das Schulfach „Energiewirtschaft“, um die Schüler(innen) praktisch mit naturwissenschaftlichen Themen aus Chemie, Biologie und Physik vertraut zu machen.

Nach dem massiven Anstieg von CO2 in der Atmosphäre, den Klimaveränderungen und dem daraus resultierten politischen Beschluss, den Abbau und Verbrauch fossiler Brennstoffe nahezu einzustellen, sind die meisten Städte im Land bereits energieautark und klimaneutral. Am Anfang war es schwer, sich gegen die Konzerne und ihre Lobbys durchzusetzen, doch gab es eine vernünftige Alternative? Mit Hambach fing damals alles an. Heute bilden nicht nur die Zahnarztpraxis und das Schulgebäude einen gemeinsamen Verwertungskreislauf. Öffentliche und private Haushalte verschmelzen immer öfter zu Energiekreisläufen, um sich gegenseitig mit Strom, Wasser und Wärme zu versorgen und das Abwasser wieder aufzubereiten und zu nutzen.

Susanne brennt die Morgensonne in den Augen, da sie ihre Keramik-Sonnenbrille zu Hause vergessen hat. Mit schmalen Augen schaut sie in Richtung Seilbahnhaltestelle, die sie nun erreicht. „Ach was ist denn da schon wieder los? So viele Menschen.“ Seit Eröffnung der neuen Verbindung zwischen den Stadtteilen Klotzsche und Gittersee hat sich der Verkehr im Elbtal sehr stark reduziert. Stadtteile, die durch die Elbe getrennt waren, sind jetzt unmittelbar miteinander verbunden. Die neue Infrastruktur erlaubt es, dass die zur Landwirtschaft ungeeigneten Flächen für neue Quartiere und sozialen Wohnungsbau sinnvoll erschlossen werden können. Susanne besteigt die Gondel mit ca. 40 anderen Passagieren. Ihr Blick schweift während der ruhigen Fahrt über das Tal, durch das sich die Elbe in zahlreichen Kurven mäandert. „Früher musste ich noch durch die ganze Stadt fahren, um zu Hakim zu kommen.“, denkt sie. Ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie an den Stress denkt, den sie beim Autofahren durch die Innenstadt noch hatte.

Mit einem frisch-fröhlichen „Morgen“ betritt sie Hakims Praxis. Hakim lächelt, als er sie erblickt und erwidert mit einem lässigen „Moin, Susanne.“, um zu demonstrieren, dass er trotz der zahlreichen Patient(inn)en ihren Namen kennt. „Du kannst gern gleich mitkommen, wenn du soweit bist.“
Susanne setzt sich auf den Stuhl und Hakim nimmt seine Instrumente zur Hand. „Bitte den Mund weit aufmachen.“ Auf dem Display an der Wand verfolgt sie, wie der kleine Spiegel, der mit einer Kamera versehen ist, durch ihren Mund wandert und es auf dem Bildschirm grün aufblinkt, bevor es zum nächsten Zahn geht. „Deine Zähne sehen super aus, Susanne.“, lobt Hakim. „Aber was gibt es eigentlich Neues bei dir?“
„Ach“, fängt Susanne seufzend an zu erzählen.
„Durch meinen Fahrradunfall habe ich gerade reichlich Zeit, mich um meine kleine Parzelle zu kümmern. Der Winter kommt und ich mache sie gerade winterfest.“
„Das geht mit deinem Arm?“, fragt Hakim nach.
„Ja klar! Schau, ich habe dir sogar etwas mitgebracht.“

Hakims Augen glänzen, als sie ihm ein paar frische Äpfel zeigt. Als Kind erlebte er noch die Auswüchse der genetisch veränderten, industriellen Agrarwirtschaft und deren Folgen. Susanne freut sich über seine Reaktion. „Garantiert aus biologischem Anbau!“, wirft sie ein. „Seit uns die Stadt die Möglichkeit mit der Parzelle eingeräumt hat, verkauft unsere Kooperative sogar an die Supermärkte in der Region, da wir Teil des neuen Regio-Labels sind.“
„Eure Äpfel finden bestimmt einen reißenden Absatz“, gibt er mit einem Lächeln zurück und beißt in einen saftigen Apfel. „Moment, Susanne, für die Äpfel würde ich dir auch gern etwas Gutes tun.“, sagt er und fährt frech grinsend fort: „Was hast du denn heute Abend vor? Du weißt doch, dass ich ab und zu in der Scheune in der Neustadt beim Comedy Slam mitmache. Hast du Lust, mal vorbeizukommen? Ich besorge dir ein Ticket!“

Kurz fühlt sie sich überrumpelt und weiß nicht, wie sie darauf reagieren soll. Er nimmt einen rotierenden Bohrer in die Hand, mit dem er gelegentlich an löchrigen Zähnen arbeitet und zeigt aus dem Fenster. Eine Brise weht durch das Herbstlaub der Bäume und tanzend fallen bunte Blätter zu Boden. „Den kann ich immer nur bei ausreichend Wind benutzten, Susanne. Ansonsten ist der Strom einfach zu knapp. Gerade würde es passen und ich glaube, ich habe da noch etwas bei dir übersehen…“, zwinkert er. Sie hält sich die Hand vor den Mund, weil sie zu kichern beginnt und schaut verlegen auf den Boden. „Okay, Hakim, wenn der Saal barrierefrei für Menschen mit gebrochenen Händen ist, komme ich heute Abend mal vorbei.“, witzelt sie zurück. „Die Frau hat Humor“, denkt sich Hakim und freut sich über das mögliche Treffen.

Utopie Nr. III
Wir schreiben das Jahr 2048. Sam und Che sind 18 Jahre alte Freunde, die auf der Reise zu den Ruinen der Wallstreet sind. Auf dem Weg durch Texas sagte Sam: „Hey Che weißt du, dass die Eisenbahn früher zehnmal so lang brauchte wie die Magnetschwebebahn, um einen solchen Weg hinter sich zu bringen?“ Che antwortete: „Ich könnte mir vorstellen, zehnmal so langsam mit dir zu reisen, wir haben doch viel mehr Zeit als die Menschen vor 20-30 Jahren.“ Che nahm einen tiefen Schluck aus seiner Teetasse und schaute kurz aus dem Fenster auf die hellgrünen und saftigen Weiden von Texas. Dann fragte er Sam: „Weißt du, wie es dazu kam? Durch den rasanten technologischen Fortschritt konnte sich der Mensch von der fremdbestimmten Arbeit abwenden und einen weltweiten Wohlstand erreichen. So haben wir heutzutage kaum noch Gründe für Existenzängste. Außerdem hatte die Menschheit durch ihre neu gewonnene Zeit die Möglichkeit, aktuelle Probleme der Gesellschaft auf konstruktive Weise zu beseitigen.“ „Ja genau!“ rief Sam enthusiastisch und fügte hinzu, dass die komplexen Optimierungsprobleme im Warentransport nur durch Ameisenalgorithmen gelöst werden konnten. „Stimmt!“ sagte Che, „Deswegen können wir auch unser Butterbrot so günstig genießen.“ „Aber auch die lokale Lebensmittelproduktion trägt einen großen Anteil dazu bei“ entgegnete Sam und führte weiter aus, dass auch die weltweite Verderbquote durch die verkürzten Transportwege gesunken ist. Die Magnetschwebebahn fuhr pünktlich im Bahnhof der Wallstreet-Ruinen ein. Sam und Che stiegen aus und nahmen die Schönheit der Ruinen im Mondschein war und tauchten in die Utopie ihrer Welt ein.
Ein paar Meter weiter entdeckten sie eine Führung zur „Neokreidezeit“ der Wallstreet. Che wollte unbedingt mit Sam daran teilnehmen. Bevor die Führung begann, fragte Sam in die Gruppe: Wo sind hier die Toiletten?“ Ein alter Herr antwortete: „Es gibt hier keine Toiletten, weil hier alle von allen beschissen wurden“ und fügte grinsend hinzu „Da drüben sind Toiletten.“