31.08.10
Sachsens Haushaltsplan 2011/2012
Das Bündnis Zukunft und Zusammenhalt veröffentlicht in einer Stellungnahme eine Interpretation des umfänglichen Haushaltsplans der Sächsischen Staatsregierung. Ein interessantes Feature, nach dessen Lektüre Sie wissen, wieviel wann wo gespart werden wird - und vor allem, wofür das eingesparte Geld Verwendung findet.
28.08.10
CORAX - gently evolution
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wie Sie vielleicht bereits bei der Lektüre der Ausgabe CORAX 4/2010 bemerkt haben, finden Sie in der Inhaltsrubrik: "Kalender" jetzt einen Verweis auf die CORAX-Homepage.
Aufgrund der sehr zahlreichen Zusendungen von Veranstaltungshinweisen der verschiedenen Träger und Initiativen, welche die Redaktion für jede neue Ausgabe erreichen, waren wir ob des begrenzten Platzes im Heft in der Vergangenheit immer wieder gezwungen, eine Sondierung vorzunehmen mit dem Ergebnis, nur einen Auszug aller Zusendungen drucken zu können. Aber woran macht man fest, was gedruckt- und was nicht gedruckt wird?
Wir haben uns daher in der Redaktion entschlossen, nur noch Termine, welche Fachtagungen anzeigen, im Heft abzudrucken. Alle anderen Veranstaltungstermine in Ihrem vollem Umfang finden Sie ab jetzt online auf unserer CORAX-Homepage unter: Kalender.
Wir finden, nur so einer gebührlichen Fairness entsprechen zu können als auch dem Anspruch an Vollständichkeit besser gerecht zu werden.
Sie finden die Möglichkeit, einen Veranstaltungshinweis zu veröffentlichen, in dem dafür vorgesehenen Online-Formular, dessen einzelne Parameter Ihnen noch aus dem Vordruck im Downloadbereich bekannt sind. Wir bitten Sie, den Ihnen bekannten Vordruck im Downloadbereich zukünftig nur noch zu verwenden, wenn Sie eine Fachtagung ankündigen möchten.
Bei Rückfragen und Anregungen stehen wir Ihnen natürlich gern zur Verfügung:
Wir freuen uns auf Ihre Ideen, Anregungen, Meinungen und natürlich auch auf Kritiken, die weiterbringen.
23.04.10
CORAX 02/2010 nur als Online-Version
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Abonnent/inn/en der Fachzeitschrift CORAX,
die Ausgabe 02/2010 mit dem Titelthema „Rettungsanker Jugendarbeit – wer
rettet die Jugendarbeit?“ ist fertig gestellt. Sie widmet sich den
aktuellen Entwicklungen und Auswirkungen der Kürzungen in der Jugendhilfe
in Sachsen umfänglich. Von diesen Kürzungen ist auch das CORAX-Magazin
selbst betroffen! Gefördert wurde die Herausgabe des CORAX-Magazins bisher
vom Freistaat Sachsen, Sächsisches Staatsministerium für Soziales und
Verbraucherschutz (SMS). In 2010 wird keine Finanzierung von Duck und
Layout gewährt.
Darüber hinaus ist die Herausgeberin, AGJF Sachsen e.V., ferner von einer
Reduzierung der Förderung durch das SMS im Personalkosten-, Sachkosten-
und Fortbildungsbereich erheblich betroffen.
Das für CORAX entstehende Defizit ist aufgrund dieser brisanten Lage
derzeit nur durch einschneidende Einsparmaßnahmen zu mindern.
Diese Ausgabe erscheint daher leider nicht, wie gewohnt, gedruckt und per
Post, sondern wird ab sofort online auf der Homepage www.corax-magazin.de
zum Download verfügbar sein.
Die Herausgeberin AGJF Sachsen e.V. und die ehrenamtlich/ nebenamtlich
tätige Redaktionsgruppe, dass sei an dieser Stelle ausdrücklich versichert,
sind nicht der Meinung, dass CORAX dauerhaft lediglich als online-Version
erscheinen sollte. Vielmehr ist dies der kurzfristige Kompromiss, um das
Fachmagazin CORAX seinen Leser/inne/n nicht gänzlich vorenthalten zu
müssen.
Wir sind bemüht, nach Lösungen für das laufende Kalenderjahr und
die noch ausstehenden vier Ausgaben des CORAX-Magazins und darüber hinaus
zu suchen.
Dazu benötigen wir die Unterstützung all derer, die dem CORAX gewogen sind
und damit auch Ihre!
Bitte bleiben Sie uns gerade jetzt treu als Abonnent/in und Leser/in!
25.02.10
Flashmob in Sachsen
Um auf die drohenden Kürzungen durch die sächsische Staatsregierung zu reagieren, gibt es am kommenden Montag, 1. März, 16:16 Uhr einen Flashmob in ganz Sachsen. Mehr: www.jugend-ist-mehr-wert.de
25.02.10
Protestaktion gegen Kürzungen im FSJ
Am Mittwoch, den 10. März ist ab 9.00 Uhr eine Protestaktion gegen die Kürzungen im FSJ-Bereich vor dem Sächsischen Landtag in Dresden geplant. Aufgerufen dazu sind insbesondere junge Frauen und Männer, die sich im FSJ befinden. Die Aktion wird koordiniert von der LKJ Sachsen e. V. Bei Fragen zur Aktion und zur Beteiligung daran bitte an die LKJ wenden: Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen e.V., Sternwartenstraße 4, 04103 Leipzig, fon 0341 / 257 73 05, fax 0341 / 257 73 06, info@lkj-sachsen.de, http://www.lkj-sachsen.de
25.02.10
Öffentliche Sondersitzung des Landesjugendhilfeausschusses
Am Freitag, den 5. März 2010 ab 10.00 Uhr tagt der Landesjugendhilfeausschuss zu einer öffentlichen Sondersitzung im Kulturrathaus Dresden, Clara-Schuhmann-Saal, Königsstraße 15, 01097 Dresden. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Befassung mit den Auswirkungen der aktuellen Haushaltssituation auf die Förderung der Jugendhilfe. Dazu wird eine entsprechende Positionierung in Form einer Stellungnahme erarbeitet. Da die Sitzung öffentlich ist, darf man und frau dieser beiwohnen und „Gesicht zeigen“ gegen die drastischen Sparmaßnahmen des Freistaates.
25.02.10
Petition des KJRS Sachsen
Der Kinder- und Jugendring Sachsen e. V. hat eine die Online-Petition gegen die Kürzungen initiiert. Wir als Landesverband schließen uns dieser Aktion an und bitten Euch und Sie unter dem unten angegebenen Link mit Eurer und Ihrer Unterschrift, eine Stimme für die Kinder und Jugendlichen im Freistaat abzugeben. Hier geht es zur Petition: www.kjrs-online.de/petition
Ich unterstütze die Proteste gegen die Kürzungen in der Jugendarbeit und wende mich entschieden gegen die Auffassung, junge Menschen wären legitime Einsparpotenziale. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind diejenigen, die in den nächsten Jahren in Politik und Gesellschaft, Wissenschaft, Handwerk und Bildungseinrichtungen Verantwortung übernehmen und die Geschicke unseres Landes lenken. Geben wir ihnen heute durch eine gelingende Jugendarbeit die dafür notwendigen Werte und Kompetenzen mit auf den Weg!
Ich fordere die Staatsregierung und alle weiteren politischen Verantwortungsträger auf, die Kürzungen zurückzunehmen. 1.000.000 junge Menschen in Sachsen freuen sich über jede Form der Unterstützung.
12.02.10
Stellungnahme der Landesverbände
Der Freistaat Sachsen hat im Februar Kürzungspläne für den laufenden Staatshaushalt bekannt gegeben. Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) muss über 14 Millionen Euro einsparen. Betroffen ist neben der Jugendpauschale und dem Freiwilligem Sozialen Jahr besonders auch die überörtliche Jugendhilfe, die allein um über 600.000 Euro gekürzt werden soll.
Seit Jahresbeginn fehlen vom SMS Signale politischer Steuerung sowie Bewilligungsbescheide und damit Finanzierungssicherheit. Die konkrete Umsetzung der erst seit wenigen Tagen bekannten Kürzungen für den Bereich der überörtlichen Jugendarbeit ist nach wie vor unklar. Die Kürzungspläne werden verheerende Auswirkungen auf die Struktur der überörtlichen Jugendhilfe im Freistaat bis hin zur Ausdünnung der Trägerlandschaft haben. Aus gegebenem Anlass haben sich die Geschäftsführer/innen der genannten Verbände am heutigen Tag zu einem Plenum zusammengefunden, um gemeinsam Stellung zu beziehen.
Wir fordern die Sächsische Staatsregierung nachdrücklich dazu auf umgehend Klarheit zur konkreten Umsetzung der Kürzungspläne zu schaffen.
Die Träger im Freistaat sind umgehend über die Umsetzung der Kürzungen im Einzelnen zu informieren. Die zögerliche Informationspolitik ist nicht akzeptabel. Sie verursacht ein nicht hinnehmbares Maß an Planungsunsicherheit und Risiko auf Seiten der freien Träger.
Wir fordern die Sächsische Staatsregierung nachdrücklich dazu auf die Trägerstruktur in der überörtlichen Jugendhilfe für 2010 zu erhalten.
Erst im vergangenen Jahr wurde die Jugendhilfeplanung im Bereich der überörtlichen Jugendhilfe für die Jahre 2010 bis 2014 beschlossen. Als Bedarf wird darin von genau den Trägern gesprochen, die nun existentiell bedroht sind. Wir fordern den Erhalt der Struktur in der überörtlichen Jugendhilfelandschaft.
Wir fordern die Sächsische Staatsregierung nachdrücklich dazu auf Transparenz und Übergangsszenarien zu schaffen.
Die Träger sind als Betroffene rechtzeitig und umfassend über mögliche Einschnitte zu informieren sowie an den Überlegungen zu deren Umsetzung zu beteiligen. Der Freistaat trägt eine Mitverantwortung für die von ihm zum Teil seit Jahren ununterbrochen geförderten Akteure in freier Trägerschaft. Strukturveränderungen müssen partnerschaftlich vorgenommen werden und die auf Seiten der Träger gewachsenen rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die freien Träger sind an einem solchen partnerschaftlichen Dialog mit den Entscheidungsträgern interessiert.
Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e. V.
Kinder- und Jugendring Sachsen e. V.
Landesarbeitgemeinschaft Mädchen und jungen Frauen in Sachsen e. V.
Landesverband Kinder- und Jugenderholungszentren Sachsen e. V.
Landesverband Sächsischer Jugendbildungswerke e. V.
Landesverband Soziokultur Sachsen e. V.
Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Sachsen e. V.
Sächsische Landjugend e. V.
11.02.10
Pressemitteilung der AGJF Sachsen e. V.: Sachsen kürzt Mittel für Jugendarbeit um ein Drittel
Chemnitz, 11.02.2010. Der Freistaat Sachsen plant seine Mittel im Bereich Jugendhilfe in diesem Jahr um etwa ein Drittel zu kürzen. Die gravierenden Einschnitte erreichen die Landkreise und kreisfreien Städte im laufenden Haushaltsjahr. Die vom Freistaat an die Kommunen ausgereichte Jugendpauschale soll um rund 4 Euro pro jugendlichem Kopf gekürzt werden und sinkt damit von bisher 14,30 Euro auf 10,40 Euro. Nachdem in Chemnitz die Zuwendungen an freie Träger nach mehreren Sitzungen des Jugendhilfeausschusses gerade ausgereicht wurden, müssen nun erneut Löcher gestopft werden. In Leipzig droht indes der Abbau von Angeboten, obwohl die kommunalen Mittel für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe im sechsstelligen Bereich aufgestockt wurden. Die AGJF Sachsen e.V. fordert die Staatsregierung auf, keine Kürzungen der Jugendpauschale vorzunehmen!
Die Kapazitäten für ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr werden
halbiert . Dies widerspricht dem Bedarf junger Menschen, sich freiwillig aktiv in unserer Gesellschaft einzubringen und dem Trend, Freiwilligendienste auszubauen und zugänglicher zu gestalten. Die AGJF Sachsen e.V. fordert die Staatsregierung auf, interessierten jungen Menschen Teilhabe am freiwilligen Engagement in ausreichender Kapazität zu ermöglichen!
Die Träger kritisieren die mangelnde Transparenz und den ausbleibenden Dialog: Wie die Presse mitteilt, sind die überörtlichen Träger als Anbieter von Fortbildungen, Zusatzausbildungen, Beratung und Information zur Qualitätssicherung örtlicher Strukturen ebenfalls von Kürzungen betroffen. Gespräche mit freien Trägern oder die Anhörung der Jugendhilfe-Leistenden vor Ort sind offenbar nicht geplant. Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zu dem vom Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) vorgeschriebenen „partnerschaftlichen Umgang“ mit den freien Trägern auf örtlicher und überörtlicher Ebene. Die AGJF Sachsen e.V. fordert die Staatsregierung auf, mit den Betroffenen in den Dialog zu treten und einen Kahlschlag der gewachsenen Jugendhilfestruktur im Freistaat abzuwenden!
„Sachsen weist eine vielfältige, ausgewogene Jugendhilfelandschaft auf – aber kein Zuviel an Angeboten! Die geplanten Kürzungen müssen zurückgenommen werden!“, fordert Anke Miebach-Stiens, Geschäftsführerin der AGJF Sachsen e. V., „Einsparpotenziale in der Jugendhilfe Sachsens sind nicht vorhanden.“ Das belegt die im Herbst letzten Jahres aktualisierte überörtliche Jugendhilfeplanung für 2010 bis 2014: Neben der Begründung des aktuellen Bedarfes wird ein Mehrbedarf in bestimmten Bereichen der Jugendhilfe konstatiert. Auch der 3. Sächsische Kinder- und Jugendbericht aus dem letzten Jahr verdeutlicht, dass Jugendarbeit und Jugendhilfe kein Luxus sind, sondern wichtige Bildungsangebote leisten.
11.02.10
Diskussionsbeitrag der Ev. Akademie Meissen
Zu den geplanten Sparmaßnahmen im Sächsischen Staatsministerium für Soziales. Ein Diskussionsbeitrag der Evangelischen Akademie Meißen.
Der Studienbereich Jugend der Evangelischen Akademie Meißen beobachtet und begleitet seit vielen Jahren die Kinder- und Jugendpolitik und die Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen und in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei bringt er sich moderierend, vernetzend und innovativ in Entwicklungen, Prozesse und Diskussionen ein, z. B. durch Fachtagungen, Fachartikel etc. Derzeit werden im Freistaat Sachsen Maßnahmen zur Kürzung des finanziellen Etats auch im Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Abteilung 4 – Jugend und soziale Integration – avisiert. In den bereits durch die Träger der Kinder- und Jugendhilfelandschaft angestoßenen Diskussionsprozess möchte die Evangelische Akademie Meißen den Diskussionsbeitrag „Essentials zur Jugendpolitik in Ostdeutschland“ einbringen (s. Anlage untenstehend).
Im Rahmen einer Fachtagung im Juni 2009 wurden von Verantwortungsträger_innen der ostdeutschen Kinder- und Jugendhilfelandschaft „Essentials zur Jugendpolitik in Ostdeutschland“ formuliert. Diese Fachtagung wurde durchgeführt von dem Deutschen Bundesjugendring, der Stiftung Demokratische Jugend, der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung und der Evangelischen Akademie Meißen. Im Juli 2009 wurden diese „Essentials“ im Rahmen einer Fachveranstaltung an zuständige Abgeordnete des Bundestages überreicht. In der aktuellen Ausgabe der „deutsche jugend. Zeitschrift für die Jugendarbeit“ sind der auf der Fachtagung gehaltene Beitrag „Status quo vadis? 20 Jahre Kinder- und Jugendpolitik und Kinder- und Jugendarbeit in den ostdeutschen Ländern“ so wie auch die „Essentials“ zu finden (58. Jg., H. 1, Januar 2010).
Die Evangelische Akademie Meißen hofft, dass diese Ideen einen unterstützenden Beitrag im bevorstehenden Diskussionsprozess leisten werden. Darüber hinaus bringt sich die Evangelische Akademie Meißen auf Anfrage moderierend in den Prozess ein. Seien Sie eingeladen, mit mir in Kontakt zu treten.
Christian Kurzke, Studienleiter. Tel.: 03521/4706-18, Fax: -99, christian.kurzke@ev-akademie-meissen.de, Evangelische Akademie Meißen, Freiheit 16, 01662 Meißen
Ideen zur Jugendpolitik in Ostdeutschland
Im Rahmen der Tagung „Zukunft ermöglichen – Perspektiven eröffnen. Ideen zur Jugendpolitik in Ostdeutschland“ vom 3. bis 4. Juni 2009 in der Evangelischen Akademie Meißen sammelten die Teilnehmenden Anregungen und Empfehlungen für eine zukünftige Jugendpolitik in Ostdeutschland. Diese Veranstaltung wurde durchgeführt von der Evangelischen Akademie Meißen, dem Deutschen Bundesjugendring, der Stiftung Demokratische Jugend und der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung. Folgende Impulse wurden formuliert:
1. Wahrnehmung der spezifischen Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland
Jugendpolitik in Ostdeutschland steht vor der Herausforderung, sich mit spezifischen Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen zu müssen. Kumulierende wirtschaftliche und demographische Probleme prägen in vielen Regionen die Bedingungen des Erwachsenwerdens. Einige ausgewählte Aspekte: Junge Menschen sind in Ostdeutschland deutlich häufiger von relativer Armut betroffen (30,3 % in Ostdeutschland, 13,8 % in Westdeutschland). Die Arbeitslosenquote junger Menschen ist mit 11,4 % doppelt so hoch wie im Westen der Bundesrepublik mit 5,1 %. Der demographische Wandel führt insbesondere in Ostdeutschland, mit Ausnahme der suburbanen Räume, zu einer deutlichen Abnahme der Bevölkerung. Die Abwanderungsrate Jugendlicher aus Ostdeutschland lag in den letzten Jahren durchschnittlich bei 16 %.
2. Stabile und verlässliche Finanzierung von Kinder- und Jugendhilfe
Im Anschluss an die Vereinigung sind in Ostdeutschland neue Strukturen für die Kinder- und Jugendhilfe nach westdeutschen Muster etabliert worden. Unmittelbar nach der Vereinigung war die Personalausstattung vergleichsweise stark, jedoch, wie zu großen Teilen auch noch gegenwärtig, durch prekäre und zeitlich befristete Beschäftigungsverhältnisse geprägt. Zu Beginn der
Neustrukturierung waren Mitarbeiter/innen zudem mit der Notwendigkeit einer kompletten Neuorientierung und geforderten Nachqualifikation konfrontiert. Seit dem Jahr 2002 ist ein deutlicher Rückgang der personellen Ausstattung der Kinder- und Jugendhilfe zu registrieren. In Ostdeutschland erfolgt die Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe, jedoch insbesondere der
Kinder- und Jugendarbeit, zu großen Teilen auf Grundlage einer Projektfinanzierung. Jedoch auch andere Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe, in denen eine andere Form der Finanzierung vorherrscht, sind von prekären Rahmenbedingungen geprägt. Dies erschwert die Bereitstellung längerfristiger stabiler Angebote für Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig hat sich eine neue Landschaft vielfältiger Träger der Kinder- und Jugendhilfe herausgebildet, die sich die Tradition der freien Träger und das Bewusstsein subsidiärer Strukturen noch nicht vollständig angeeignet hat. Die Verwaltung als Gegenüber zivilgesellschaftlicher Akteure hat Schwierigkeiten sich in subsidiären Strukturen zu bewegen. Aktuell wird die in Ansätzen entwickelte Landschaft insbesondere der freien Träger im Kontext von Kürzungen zurückgefahren bzw. ist gefährdet.
3. Tragfähige Infrastruktur der Kinder- und Jugendarbeit
Kinder- und Jugendarbeit benötigt eine tragfähige und verlässliche Infrastrukturförderung zur Bewältigung ihrer alltäglichen Aufgaben und zur Bereitstellung der erforderlichen Angebote. Eine hinreichende infrastrukturelle Förderung ist Voraussetzung, um Qualität und Nachhaltigkeit in der Kinder- und Jugendarbeit zu gewährleisten. Dies ist gleichzeitig die Grundlage, um in Hinblick auf besondere Fragestellungen und Themen die Entwicklung von Modellen und Projekten zu ermöglichen. Die Förderung einer tragfähigen Infrastruktur sollte sich an der Erhaltung vorhandener und funktionierender Strukturen orientieren und diese stärken.
4. Konzepte für die ländlichen Räume
Die unter Pkt. 1 beschriebene Situation ist in den ländlichen Räumen durch strukturelle ökonomische Probleme und die hier besonders sichtbaren Auswirkungen der demographischen Entwicklung deutlich verschärft. Diese Entwicklung hat für Ostdeutschland insgesamt gravierendere Folgen, da der Anteil ländlicher Räume sehr groß ist. Kinder- und Jugendpolitik steht hier vor der aktuellen Herausforderung, innovative Konzepte und Ideen zu entwickeln. Deren Erfahrungen können in der Folge auch auf die Situation in Regionen mit vergleichbaren Strukturproblemen in anderen Bundesländern übertragen werden.
5. Kinder- und Jugendpolitik als zentrale Aufgabe
Politik muss auf allen Ebenen die Kinder- und Jugendarbeit als Bestandteil einer lokalen und regionalen Infrastruktur verstehen. Kinder- und Jugendpolitik muss zu einer zentralen Aufgabe aller Politikfelder werden, die die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen prägen und gestalten wie z. B. Infrastrukturpolitik, Standortentwicklung, Schulstandortpolitik. Kinder- und Jugendpolitik kommt in einem solchen Politikmodell eine koordinierende, übergreifende Funktion zu, um die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen möglichst optimal zu gestalten. Deshalb ist es erforderlich, dass die verschiedenen Politikfelder in dieser Perspektive konstruktiv zusammenarbeiten.
6. Innovative Projekte regionaler Strukturförderung
Politiker/innen und Fachleute müssen im Rahmen von Regional- und Strukturpolitik innovative Konzepte zur Nutzung regionaler Ressourcen vorantreiben. So können Unternehmen unterstützt werden, die Jugendlichen in der Region eine Perspektive (Ausbildung/Arbeitsplatz) bieten, damit sie nicht gezwungen sind, abwandern zu müssen. Darüber hinaus wird eine jährlich stattfindende Konferenz wegweisender ostdeutscher Unternehmen (best practice), die ihre innovativen Ausbildungsund Arbeitsplätze Jugendlichen und Hochschulabsolvent/Innen vorstellen, vorgeschlagen. Neue (z.B.) technische Möglichkeiten sind eine Chance für den ländlichen Raum, müssen aber entsprechend gefördert werden. Die dafür notwendige Infrastruktur (z. B. Breitband) kann nicht nur auf marktwirtschaftlicher Basis bereitgestellt werden.
7. Subjektorientierung und ganzheitlicher Blick als Grundlage von Jugendpolitik
Jugendpolitik muss die Veränderungen in der Jugendphase (Entgrenzung) produktiv aufnehmen und milieu-, geschlechts- und raumbezogen umfassende Strategien zur Begleitung des Erwachsenwerdens der nachwachsenden Generationen entwickeln. Eine veränderte Jugendpolitik muss mit einem anderen Blick auf Jugendliche verbunden sein. Erforderlich ist ein ganzheitlicher Blick auf Jugendliche, der sich in einer Subjektorientierung als konzeptioneller Grundlage der Jugendarbeit zeigt, Unterstützung ermöglicht und auf Wertschätzung der Jugendlichen zielt. Jugendpolitik muss Jugendlichen die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen, damit sie eigenständige Kulturen entwickeln und sich so präsentieren können, wie sie sind. Dazu benötigen sie sowohl die öffentliche Unterstützung als auch den gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Räumen in ihrer Lebenswelt. Damit sind nicht nur Räume wie z. B. Jugendclubs gemeint, sondern auch die Einbindung und Berücksichtigung z. B. bei kommunalen Aktionen und Entwicklungsplänen und die Unterstützung von öffentlichen Jugendinitiativen. Nur so werden Jugendliche im täglichen Leben sichtbar. Jugendpolitik muss deshalb die Eigenständigkeit Jugendlicher fördern und unterstützen, dabei ihre Defizitorientierung gegenüber Jugendlichen überwinden sowie Respekt und Anerkennung zu ihrer Grundlage machen.
8. Gelingende Kooperation von Schule und Jugendarbeit
Die Diskussionen um Ganztagsbildung, um den Ausbau von Ganztagsschulen und lokaler Bildungslandschaften als Reaktion auf die Bildungsmisere setzen neue Rahmenbedingungen für die Kinder- und Jugendarbeit. Es sind neue Formen der Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule entwickelt worden, die jedoch noch nicht in allen Fällen zu einer konstruktiven Zusammenarbeit geführt haben. Kooperationen zwischen Schule und Jugendarbeit müssen auf Augenhöhe und sich gegenseitig ergänzend stattfinden. Die außerschulische Jugendarbeit muss ein gleichberechtigter Akteur in der Begleitung und Unterstützung der Bildungsbiographien von Jugendlichen sein. Eine Vernetzung von außerschulischer und schulischer Bildung ist im Interesse der Jugendlichen, die auf diese Weise unterschiedliche Lernformen und eine gezieltere Förderung erfahren können.
9. Anwendung des Subsidiaritätsprinzips
Zur Erhaltung und Stärkung eines pluralen Angebots der Kinder- und Jugendhilfe ist eine konsequente Anwendung des Subsidiaritätsprinzips erforderlich. In den zuständigen Gremien ist die Einhaltung und Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips regelmäßig zu reflektieren. Eine plurale demokratische Gesellschaft erfordert wertorientierte Angebote, um Grundlagen demokratischer Gesellschaften und ein Verständnis für Toleranz und Freiheit zu vermitteln.
10. Notwendigkeit eines intensiven Austauschs zwischen Verwaltung, Trägern und Politik.
Es ist ein verbesserter Austausch und eine Intensivierung der Kommunikation zwischen Verwaltung, öffentlichen und freien Trägern und der Politik erforderlich. Aushandlungsprozesse über Schwerpunkte der Kinder- und Jugendpolitik müssen transparenter gestaltet und langfristige Zielformulierungen gemeinsam entwickelt werden. In diese Prozesse bringen die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe ihre Expertise ein, die durch Erfahrungen, Daten und Fakten gestützt ist. Der intensivierte Austausch ist die Grundlage für bessere Entscheidungen in der Kinder- und Jugendpolitik auf den verschiedenen Ebenen.
11. Reflexion von Qualitätskriterien sowie Erhebung von Daten und Fakten
In diesem Diskurs verständigen sich die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe mit den politischen Entscheidungsträger/innen über Qualitätskriterien ihrer Arbeit. Eine Professionalisierung der Kinder- und Jugendhilfe fördert die gesellschaftliche Anerkennung dieses Tätigkeitsbereichs. Die Kinder- und Jugendhilfe hat ein originäres professionelles Interesse, die eigene Tätigkeit systematisch zu reflektieren und Auskunft über ihren Wirkungsbereich zu geben. Welche Daten und Fakten für die Debatte in Praxis und Politik relevant sind und erhoben werden sollen, muss reflektiert werden.
12. Runde Tische Jugendpolitik
Die notwendige Vernetzung auf den unterschiedlichen Ebenen ist durch die Einrichtung von „Runden Tischen Jugendpolitik“ (Initiativen, Verbände, Verwaltung, Politik, Wirtschaft, …) zu unterstützen. Dies kann ein Instrument sein, der Kooperation zwischen unterschiedlichen Ebenen und Strukturen einen Rahmen zu geben. Die gesellschaftliche Bedeutung der Kinder- und Jugendarbeit als Standortfaktor kann damit gestärkt und unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte an der Verantwortung für die Gestaltung der Bedingungen des Erwachsenwerdens beteiligt werden.
Kontakt:
Christian Kurzke, Evangelische Akademie Meißen, Telefon: +49 (0)35 21 47 06-18. E-Mail: christian.kurzke(at)ev-akademie-meissen.de
Heidemarie Rubart, Stiftung Demokratische Jugend, Telefon: +49 (0) 30 200 789-41, E-Mail: h.rubart(at)jugendstiftung.org
Christian Weis, Deutscher Bundesjugendring, Telefon: +49 (0)30 400 40-414
E-Mail: christian.weis(at)dbjr.de
Klaus Waldmann, Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung, Telefon: +49 (0)30 283 95-417, E-Mail: waldmann(at)politische-jugendbildung-et.de
14.02.10
Stellungnahme des Kinder- und Jugendring Sachsen
Stellungnahme des Kinder und Jugendrings Sachsen e.V. zu den
geplanten Kürzungen im Haushaltsjahr 2010
Der Kinder- und Jugendring Sachsen (KJRS) ist die Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände im Freistaat Sachsen. Zu seinen Mitgliedern gehören sowohl landesweit agierende überörtliche, aber auch regional und kommunal arbeitende Träger der Jugendhilfe wie die Stadt- und Kreisjugendringe. Die Angebote unserer Mitglieder wirken, bedingt durch die vertikale Struktur von Jugendverbänden, sowohl über deren kommunale Untergliederungen örtlich als auch überörtlich koordinierend durch die Arbeit der Landesverbände und entwickeln nur im Miteinander ihre volle Leistungsfähigkeit im Interesse der Kinder und Jugendlichen. Vor diesem Hintergrund protestiert der KJRS entschieden gegen die geplanten Kürzungen im Bereich der Jugendarbeit. Jugendverbände und -ringe sind in besonderer Weise von den Einschnitten betroffen, da sie auf überörtlicher oder kommunaler Ebene selbst als Antragsteller in eigener Sache fungieren, aber auch in ihren Mitgliedsstrukturen durch Kürzungen betroffen sein werden.
Sowohl die Einsparungen in der Jugendpauschale als auch jene im überörtlichen Bereich werden verheerende Auswirkungen auf die selbstorganisierten Strukturen Jugendlicher im Land haben. Zahlreiche Angebote im Bereich der außerschulischen Jugendbildung, aber auch Weiterbildungsveranstaltungen für ehrenamtlich Engagierte werden nicht oder nur mit Mehrkosten für die Teilnehmenden durchgeführt werden können. Dies ist insbesondere für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien eine dramatische Entwicklung. Für jene, die sich seit Jahren ehrenamtlich engagieren, stellt dies eine Form der Anerkennung ihres gesellschaftlichen Wirkens dar, bei der befürchtet werden darf, dass sie eher vom Ehrenamt abhält, als dieses, wie im Koalitionsvertrag noch betont, entwickeln hilft.
Das Bemühen um die Konsolidierung des sächsischen Haushalts ist begrüßenswert, allerdings halten die Mitglieder des KJRS die Prioritäten, die zu einem ausgeglichenen schuldenfreien Haushalts führen sollen, für falsch gesetzt. Kinder und Jugendliche sind die Unternehmer, Angestellten, Lehrer, Ärzte und Politiker von morgen. Je besser sie jetzt auf diese künftigen Aufgaben vorbereitet werden, um so verantwortungsvoller und engagierter werden sie künftig gesellschaftlich agieren. Neben einer guten schulischen und beruflichen Ausbildung gehört dazu der Kompetenzerwerb auf informellem und nonformalem Weg. Jugendverbände und -ringe übernehmen auf diesem Feld Verantwortung und leisten seit Jahren geschätzte und qualitativ hochwertige Arbeit. Diese wird durch die geplanten Einschnitte nun massiv bedroht. Der Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. hat sich in den vergangenen Tagen in verschiedensten Stellungnahmen zu seiner Haltung positioniert. Aus diesem Grund soll an dieser Stelle auf einer weitere politische Würdigung der Kürzungen als solche verzichtet werden.
Wir fordern die Staatsregierung auf, die geplanten Kürzungen auf den Prüfstand zu stellen, sie auf ein für den Bestand der Jugendhilfelandschaft verantwortbares Maß zu reduzieren und damit den Intentionen ihres eigenen Koalitionsvertrags zu entsprechen.Darüber hinaus geht es nun vorrangig darum, zügig alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Trägern nach Wochen der Unsicherheiten und des finanziellen Risikos Klarheit über ihre eigenen Perspektiven zu verschaffen und Arbeitsfähigkeit zu sichern. Einer Reihe von Trägern gehen die Mittel aus, um ihren gesetzlichen Pflichten nachzukommen. Die ausbleibende Entscheidung des Sächsischen Sozialministeriums schafft ob der ausbleibenden Aussage zur Höhe der Jugendpauschale Verunsicherung in den Kommunen und verhindert zudem die Antragstellung von Drittmittelprojekten, da die Träger bisher keinerlei Aussagen zu möglichen Kofinanzierungen treffen können. Dieser Zustand muss eine Ende finden! Transparente Verfahren und Zuständigkeiten sowie mögliche kurzfristige Übergangsszenarien müssen entwickeln werden, um Strukturen auch und gerade in Zeiten unklarer finanzieller Verhältnisse zu erhalten. Ein bloßer Rückzug auf die Mittel der behördlichen Verwaltung ist weder angemessen noch verantwortbar. Eine nur auf aktuelle Ereignisse reagierende Förderpolitik verschärft die derzeitige Situation Eine vorausschauend agierende Jugendpolitik schafft förderliche Rahmenbedingungen, dank derer die Jugendarbeit kreative und innovative Konzepte entwickeln und umsetzen kann.*
Die Träger erwarten einen Dialog zu den Kriterien der Umsetzung möglicher Kürzungen innerhalb der Planungsbereiche der überörtlichen Jugendhilfe und zu den Auswirkungen der voraussichtlichen Steuereinnahmen der kommenden Jahre auf die dort beplanten Zielstellungen der Staatsregierung.
„Die Jugendhilfeplanung muss ein verbindliches, ernstzunehmendes und evaluierbares Steuerungsinstrument für alle Beteiligten – von öffentlicher und freier Seite – sein. Dies setzt eine regelmäßige Berichterstattung des öffentlichen Trägers gegenüber dem Jugendhilfeausschuss voraus. Hier müssen freie Träger innerhalb des Planungszeitraums regelmäßig über Abweichungen von der Planung, deren Gründe sowie Handlungsperspektiven informiert werden. ...Die vorwiegend durch freie Träger erbrachte, qualitativ hochwertige Jugendarbeit braucht Planungssicherheit. Diese muss durch eine einzig und allein an klar definierte, transparente fachliche Kriterien gebundene öffentliche Förderung gewährleistet sein.“*
Wir fordern die Staatsregierung auf, gemeinsam mit den freien Trägern eine Strategie zu entwickeln, die geeignet ist, in den kommenden Jahren eine bedarfsgerechte Jugendhilfe auf fachlich hohem Niveau sicherzustellen. Darin eingebettet sein müssen innovative Ansätze, wie bei sinkenden Fördermitteln die Vielfalt der Träger erhalten und für Kinder und Jugendliche erlebbar
gestaltet werden kann.
„Freie Träger aller föderalen Ebenen müssen als kompetente Partner frühzeitig an den Entscheidungsprozessen beteiligt sein. Besonders im Fall von Umstrukturierungen in der sächsischen Jugendhilfelandschaft muss echte demokratische Willensbildung sowohl innerhalb der beteiligten Organisationen als auch in den Jugendhilfeausschüssen gewährleistet sein.“*
* Auszüge aus der „Naunhofer Erklärung der Mitglieder des Kinder- und Jugendrings Sachsen e.V.“ Mehr dazu unter www.kjrs.de.
15.02.10
LAG Jungen und Männer zu den Kürzungen
Stellungnahme des Vorstandes der LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen e. V. zu den geplanten Kürzungen im Ressort des Sächsischen Staatsministerium für Soziales
Frostige Zustände in Sachsens Kinder- und Jugendhilfelandschaft
Es ist Februar 2010. Wie jedes Jahr warten die Träger der Kinder- und Jugendhilfelandschaft auf Zuwendungsbescheide, diskutieren die Entlassung von Mitarbeitenden, die Aufnahme von (Privat)Krediten u. a., um das dadurch vorhandene finanzielle Loch zu überbrücken.
Es ist Februar 2010, Winter in Sachsen, die klimatischen Temperaturen liegen seit Tagen unter Null Grad Celsius. Doch die Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfelandschaft betreffend scheint der Frost über den Sommer in die Zukunft hinein Bestand zu haben. Die umfangreichsten fiskalischen Kürzungen der Vergangenheit im Kinder- und Jugendhilferessort sind geplant.
Drei irritierende Beobachtungen der aktuellen Situation
• Die geplanten finanziellen Einschnitte sind gemessen an der Gesamtsumme der geplanten Einsparungen im Landeshaushalt des Freistaates geradezu minimalistisch. Darüber hinaus werden die Folgekosten in absehbarer Zeit die jetzt vorgenommenen „Einsparungen“ bei weitem übersteigen. Das Vorgehen ist somit finanzpolitisch nicht nachvollziehbar.
• Mit dem Vorhaben muss eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen für eine u. E. verfehlte Finanzpolitik einstehen: eine Generation die selbst keine Stimme hat; eine Generation, welche die Zukunft des Freistaates mit gestalten und sich deshalb in Sachsen zu Hause fühlen soll und begleitet werden muss, auch um Abwanderungsbewegungen zu stoppen und der demografischen Entwicklung entgegenzutreten.
Die geplanten Maßnahmen werden flächendeckend zu einem nachhaltigen Ausdünnen der Angebotsinfrastruktur für Kinder und Jugendliche führen. Das Vorgehen ist somit sozialpolitisch nicht nachvollziehbar.
• Die sächsische Trägerlandschaft erfuhr von den Vorhaben aus der Presse, nicht über den formellen Weg. Bereits im Jahr 2008 wurde bei der Richlinienänderung der RL 2 durch das SMS (Wegfall der Leistungsvereinbarungen mit dem Landesjugendamt) der LJHA entgegen den
gesetzlichen Vorgaben des LJHG nicht beteiligt. Es stellt sich die Frage, welches
Demokratieverständnis hier zum Tragen kommt. Ein Demokratieverständnis, welches so dem politischen Desinteresse der Bevölkerung entgegentreten und beispielhaft sein soll in einem Bundesland, in dem Schritt für Schritt eine rechtsextreme Partei mit ihren Strukturen Fuß fasst und die Demokratie abschaffen will? Das Vorgehen ist somit innenpolitisch nicht nachvollziehbar.
Der Vorstand der LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. fordert alle
Verantwortungsträger_innen in Landespolitik und Landesverwaltung auf, Überlegungen zu fiskalischen Kürzungen im Bereich der Jugendhilfe einzustellen.
Bei Rückfragen nehmen Sie bitte mit allen drei Vorstandsmitgliedern aus organisatorischen Gründen gleichzeitig Kontakt auf
(christian.kurzke@jungenarbeit-sachsen.de; christoph.arnold@jungenarbeitsachsen.de; david.richter@jungenarbeit-sachsen.de). Gern stehen wir für einen Gedankenaustausch
zur Verfügung.
14.02.10
Landesjugendpfarramt zu Kürzungen
Sparkurs des Sozialministeriums demoralisiert die „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“
Die beabsichtigten Einsparungen im Bereich der „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ erreichen für die örtliche wie auch landesweite Jugendarbeit eine nie da gewesene Relevanz. Der geplante Kahlschlag von 30 % betrifft nicht nur einzelne wichtige Projekte und Angebote, sondern bewirkt die Zerstörung von Strukturen und Netzwerken mit unabsehbaren Auswirkungen auf die außerschulische Pädagogik und auf soziale Betreuungsangebote.
Die Einsparungen im Bereich der verbandlichen, offenen und mobilen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden die hier tätigen Sozialpädagogen und Jugendmitarbeiter genauso demoralisieren wie die bisher erreichten Kinder und Jugendlichen. Wie ist der heranwachsenden Generation zu vermitteln, dass ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen der „Rotstift“ unverhältnismäßig angesetzt wird?
Im landesweiten Jugendarbeitsbereich der Evangelischen Jugend käme es zu einer Kürzung von mindestens einer Personalstelle. Eine Personalstelle erreicht ca. 50 hauptamtliche Jugendmitarbeiterinnen und -mitarbeiter auf örtlicher bzw. regionaler Ebene. Diese wiederum kümmern sich um mehr als 2.000 Ehrenamtliche, welche vor Ort die Angebote für Jugendliche mit tragen. In einem verheerenden Schneeballeffekt wären allein im Bereich der Ev. Jugend letztlich tausende Jugendliche betroffen.
Darüber hinaus werden im landesweiten Fachverbund der evangelischen Jugendsozialarbeit (LAG SOJA) die geplanten Kürzungen der Jugendpauschale die Existenz von 15 der jetzt 50 Einrichtungen bedrohen. Immerhin erreicht jedes dieser Angebote im Durchschnitt 70-120 Kinder bzw. Jugendliche pro Woche.
Ein Beispiel: Ein Jugendzentrum organisiert 5 Tage in der Woche regelmäßig und zuverlässig verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche des Wohngebietes. Dazu kommen zusätzliche zeitbegrenzte Projekte und Aktionen (Wochenende, Ferien, Exkursionen…). Zur Zeit wird dieses Jugendzentrum von einer Fachkraft hauptberuflich geleitet. Nun ist diese Stelle bedroht. Wird das Jugendzentrum schließen müssen?
Bereits jetzt sinken die Mittel der Jugendpauschale aufgrund des demographischen Wandels. Die nun geplanten landespolitischen Kürzungen ziehen auch den kommunalen Anteil nach unten, der der Landesförderung entspricht. Massive Einschnitte werden die Folge sein.
Das Ev.-Luth. Landesjugendpfarramt fordert im Namen der Landesjugendkammer das Sozialministerium auf, die geplanten Kürzungen zu überdenken. Es kann nicht hingenommen werden, dass ohne Blick auf die Auswirkungen pauschal gekürzt wird und zwar dort, wo es gerade geht. Das gilt umso mehr, wenn der relativ bescheidene Einsparungsbetrag ins Verhältnis zu den absehbaren Folgen gesetzt wird. Wir erwarten, dass die Wahrung des sozialen Friedens und die Investitionen in die heranwachsende Generation genauso ernst genommen werden wie die Rettung des Finanz- und Wirtschaftssystems!
Tobias Bilz, Landesjugendpfarrer
11.02.10
Pressemitteilung des Pro Jugend e.V.
Die Schlinge zieht sich zu!
Ein Kommentar des Pro Jugend e.V. zur Kürzung der Jugendpauschale im Land Sachsen.
Wie auch alle anderen freien Träger und staatlichen Institutionen der Jugendhilfe musste der Pro Jugend e.V. am Samstag aus der Zeitung erfahren, dass die Jugendpauschale massiv gekürzt wird. Ob dies der richtige Weg ist den Vereinen und freien Trägern mitzuteilen, dass zusätzlich zu der Kürzung durch den Landkreis nun eine weitere finanzielle Einbuße auf sie zukommt, darüber lässt sich streiten.
Was die Auswirkungen der Kürzungen für die einzelnen Träger bedeuten, wird sich schon in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Wie eng kann die Schlinge, die zur Zeit um die Jugendhilfelandschaft gelegt wird, noch gezogen werden, bis einige Träger unter dem Druck ersticken?
Die bisher qualitativ gute Arbeit der Träger wird unter den Kürzungen leiden, aber die wirklichen Leittragenden sind die Kinder und Jugendlichen in der Region. Bereits unter den momentanen Bedingungen wird in der Jugendhilfe schon am Limit gearbeitet – dies wäre nicht so, wenn es den Bedarf nicht gäbe.
Unsere Forderung ist, den Vereinen und freien Trägern nicht die Luft zum Atmen zu nehmen, damit sie weiterhin ihre qualitativ hochwertige Arbeit leisten können und die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in der Region unterstützen.
Pro Jugend e.V. - Verein für mobile Soziale Arbeit. Dresdner Straße 283. 01705 Freital. Tel.0351-6565722. Fax.0351-6565723. E-Mail freital@projugendev.de. Web http://www.projugendev.de
11.02.10
Landesverband Jugendbildungswerke zu den geplanten Kürzungen in der Jugendarbeit
Auch Angebote der naturwissenschaftlich-technischen Jugendbildung in Sachsen sind bedroht
Die bereits vor einigen Tagen durch die Presse bekannt gewordenen Kürzungen im Bereich der Jugendhilfe durch das Sächsische Staatsministerium fur Soziales und Verbraucherschutz haben auch gravierende Auswirkungen auf naturwissenschaftlich-technische Jugendbildungsangebote in Sachsen. Noch vor wenigen Monaten evaluierte der Dritte Sachsische Kinder- und Jugendbericht die Notwendigkeit einer verstarkten außerschulischen Jugendbildung: Die Kommission vertritt den Standpunkt, dass für die Wahrnehmung dieses Bildungsauftrags, neben der ausdrücklich geforderten konzeptionellen Reformulierung des Auftrages durch die Jugendarbeit selbst, eine ausreichend ausgestattete, eine verlässliche Infrastruktur erforderlich ist. (Dritter Sachsischer Kinder- und Jugendbericht, S. 144)
Durch die Kürzungen verliert diese Förderung ihre finanzielle Grundlage. Die
Verbände der freien Kinder- und Jugendhilfe erfullen im Sinn des Subsidaritatsprinzips viele Aufgaben der ausserschulischen Jugendbildung.
Die Einsparungen treffen viele Ebenen: die Kürzungen der überortlichen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, die Reduzierungen der Freiwilligendienste fur junge Menschen und die geplante Kürzung der Jugendpauschale. Mit der Reduzierung der Pauschale von 14,30 €. auf 10,40 €. je Kind/ Jugendlichen müssen vor allem die Einrichtungen vor Ort mit Einschränkungen bei Personal- und Sachmitteln rechnen. Konkret bedeutet dies, dass zum Beispiel ohne personelle Absicherung eine qualitativ hochwertige und fachliche Arbeit - wie durch das Fachkräftegebot gefordert - nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Oder Einrichtungen müssen gar ganz schliessen, da Öffnungszeiten oder Aufsichtspflichten nicht gewährleistet werden konnen. Fehlende Sachmittel vermindern zudem die Ausstattung von Projekten mit den notwendigen Materialien. Bei den Mitgliedsvereinen des Landesverbandes Sächsischer Jugendbildungswerke e.V. (LJBW) werden die Kürzungen besonders
Einrichtungen treffen, die in ihrer Arbeit von Mitteln der Jugendpauschale abhängig sind. Technische oder naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaften, Clubs junger Erfinder, Ganztagsangebote in Kitas und Grundschulen, aber auch interkulturelle Begegnungen und thematische Ferienangebote werden auf den
finanziellen Prüfstand kommen.
Auch fur die überortliche Arbeit des LJBW bedeuten die Kürzungen deutliche Einschnitte in der Arbeit. Seit Jahren etablierte Projekte wie der Sachsische Konstruktionswettbewerb oder das Wissenschaftsmobil WIMO, das seit
nunmehr 11 Jahren im Einsatz ist, sind in Gefahr. Vor allem unsere thematischen Projekte haben einen wichtigen Bezug fur das Interesse der Heranwachsenden an naturwissenschaftlichen und technischen Berufen.
Neben den erfolgreichen EXPLORIS - Feriencamps, Forscherwochenenden und Experimentiertagen, werden auch Fortbildungs- und Beratungsangebote nur noch eingeschränkt erfolgen können bzw. durch den notwendigen Anstieg der Teilnehmergebühren nicht mehr den Zugang fur alle Interessierten ermöglichen. Und gerade das war und ist immer ein Anliegen des LJBW . Naturwissenschaft und Technik anschaulich vermitteln und für alle zugänglich machen.
Landesverband Sachsischer Jugendbildungswerke e.V., Cossebauder Str.5, 01157 Dresden, Tel.: 0351 4015900, Fax: 0351 4015902, www.ljbw.de / info@ljbw.de

